Spaziergang durch Feuchtwangen

Die uns nächstgelegene „Stadt“ ist Feuchtwangen.
Ehemals freie Reichsstadt, liegt sie an der Romantischen Straße zwischen Rothenburg ob der Tauber und Dinkelsbühl. Wir befinden uns gerade noch so in Mittelfranken, also Bayern, und zwar unweit der Grenze zu Baden Würtemberg.

In Feuchtwangen kauf ich ein, gehe zum Arzt, gehe mal Essen, kenne mich aus. Dachte ich.

Aber wenn man dann – ganz wie ein ortsfremder Besucher – eine kleine Stadtführung macht, dann sieht man Ecken, die man sein Lebtag noch nicht wahrgenommen hat.

Unsere „Mädels“-Truppe macht an einem Abend pro Monat gerne irgend etwas, das „man“ sonst eher nicht tut. Und im September – also gestern – machten wir einen …

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Und zwar inklusive Stadtführerin. Treffpunkt war am Marktplatz, wo der Röhrenbrunnen steht.

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Errichtet 1727, plätschert er noch heute vor sich hin. Als Brunnenfigur sorgt Minerva für den Schutz und Wohlstand des Gewerbes.
Leider kann man vor lauter Grünzeug nicht wirklich erkennen, dass es ein Brunnen ist. Schade.
Auf dem Brunnen sieht man die Wappen Brandenburgs, Württembergs sowie den Reichsadler und das Feuchtwanger Stadtwappen, die Fichte.

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Wer allerdings die barbusigen Damen rundum sind, das weiß ich nicht.
Wahrscheinlich galt schon im 18. Jahrhundert: „Sex sells“.  

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Da unsere Führung unter dem Motto SAGEN UND MYTHEN stand, durfte eine Laterne natürlich nicht fehlen. Wir sollten uns ja in der beginnenden Dunkelheit nicht allzusehr gruseln.
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Wir erfuhren Geschichten über Eichen und den Teufel, über Brückenmännlein, den Noocht-Giga, die wilde Jagd und noch manch andere seltsame Gestalten.

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Von drei Stadttoren ist nur noch eines erhalten: das Obere Tor.
Es wurde im 18. Jahrhundert barock umgebaut und vor nicht ganz 100 Jahren dem zunehmenden Verkehr angepasst.

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Wir gingen durch Gassen und Wege, die ich bisher immer ignorierte.
Wieso eigentlich?
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Mittelfränkische Häuser sind zudem sehr bunt, wie man hier sehen kann ….

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Über das allgegenwärtige Kopfsteinpflaster gelangten wir schließlich zum Kasten:

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Das schöne Fachwerkgebäude entstand 1565 als Scheune für Naturalabgaben aus Gütern des ehemaligen Stiftes.
Im Jahr 1982 wurde der Kasten zur Stadthalle umgebaut.

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Auf dem Platz vor dem Kasten stehen gleich 2 Kirchen.
Johanniskirche
Links die Johanniskirche:
Die Bemalung der Gewölbefelder des Chores stammt aus der Zeit um 1400, auch sonst stammt das meiste „Beiwerk“ (wie z.B. Taufstein, Sakramentshäuschen, Kanzel und der Grabstein des Schwanenritters Jörg von Ehenheim) aus dem 14. Jahrhundert.  Der Altar ist jedoch aus der Zeit des Barock (1680).
Irgendwie hab ich diese Kirche nicht komplett ins Bild genommen – daher oben eine Zeichnung davon (entliehen der Homepage der Stadt Feuchtwangen).

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Und rechts daneben sieht man die Stiftskirche

Diese ehemalige Klosterkirche (man beachte die beiden verschiedenen Türme!) verfügt über beachtliche romanische Baureste.
Den gotischen Stil findet man vor allem am Chor.
Der Marienaltar wurde 1484 von Michael Wolgemut, dem Lehrer Albrecht Dürers, geschaffen. Das geschnitzte Chorgestühl ist eine schwäbisch-fränkische Arbeit aus der Zeit um 1500. 

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Und nicht weit davon gibt es eine weitere romanische Besonderheit, den weit bekannten Kreuzgang:
Er stammt vermutlich aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und ist Kultur- und Theaterfreunden aus dem ganzen Land ein Begriff. Seit 1949  finden hier die ‚berühmten‘ Kreuzgangspiele mit Freilichtaufführungen von Klassikern der Weltliteratur statt. (Auch in der Spielzeit 2014 haben hier rund 40.000 Theaterbesucher applaudiert …).

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Es gäbe noch viel mehr anzusehen. Doch als kleine gedankliche Auffrischung  wie schön doch unsere Region ist (wenn man nur mal hinsieht), möge dieser kurze Spaziergang genügen.

Habt ein schönes Wochenende!
Karin

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10 Gedanken zu “Spaziergang durch Feuchtwangen

  1. Hallo Karin,
    schöne Impressionen aus deiner heimatlichen Umgebung. Auch ich habe immer wieder bemerkt, wie „blind“ man eigentlich für das eigene nähere Umfeld ist…Schönheiten der eigenen Stadt nimmt man nur flüchtig oder manchmal gar nicht wahr…im Urlaub schaut man sich die Städte/Gebäude/Kirchen und was auch immer in Ruhe und viel intensiver an.
    Bei mir sind nach wie vor „Ausflüge“ nur in dringenden Fällen (z.B. Arztbesuche) möglich. Muss meine Orthese voraussichtlich noch weitere 8-10 Wochen tragen.
    Ein erholsames WE wünscht
    Petra

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    1. Hallo Petra, schön von dir zu hören.
      Ja, man muss sich wirklich bemühen, mit offenen Augen durch die Welt zu laufen.
      Das mit deiner Orthese dauert ja nun doch länger als geplant. Du Arme. HOffentlich bringt sie dann letztendlich auch den gewünschten Erfolgt. Ich wünsch dir alles Gute!
      LG von Karin

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      1. Oh, prima. Ich stamme eigentlich aus dem LKR Weißenburg und war in Eichstätt an der Uni. Als Kind waren wir öfter mal Sonntags mit der ganzen Familie am Auwaldsee zum Baden. Damals gab’s die mittelfränkischen Seen (Brombachsee, Altmühlsee) noch nicht und da sind wir halt bis nach Ingolstadt gefahren.
        Schöne Erinnerungen an eine schöne Gegend.
        Lieben Gruß nach dort!

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  2. Hallo Karin,

    habe von der Doris heute eine Mail bekommen.
    Ist toll geworden dein Bericht über unseren Spaziergang in Feuchtwangen.
    Die Orte waren für mich zwar nicht Neues, aber die Geschichten dazu waren sehr interessant.
    Das können wir von mir aus auch öfters machen (z.B. Friedhofbesuch in Ansbach)
    Gruss
    Astrid

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